![]() |
mario haunhorst
|
||
Lichtreflexionen in BewegungWasser anders sehenEin Kubus, schlicht und groß. Glas und anthrazitfarbene Metalllinien spielen in einem strengen Rhythmus über seine Fassade. Wären da nicht das Wasserbecken links und die Beschilderung, fiele es schwer, gleich auf ein Wasserwerk zu tippen. Klar reihen sich Glas, Stahl und Ziegelstein, und ebenso entschieden wirkt die das Gebäude umgebende Freifläche wie ein kleiner Park.
Das außergewöhnliche Wasserwerk steht in Ostbevern. 2004 hatte sich die Energieversorgung Ostbevern für die Erweiterung des aus den 1960 Jahren stammenden Gebäudes entschieden um die wassertechnische Anlagen dem Stand der Technik anpassen zu können. Mit der Planung und Umsetzung der baulichen Maßnahmen (Erweiterungsgebäude, Sanierung bestehendes Gebäude) wurde die Planungsgruppe Dörenkämper + Ahling aus Ostbevern beantragt. Das vorgeschlagene Erweiterungskonzept überzeugt mit einem kostengünstigen Ansatz, der den bestehenden Bau nahezu unangetastet lässt, und durch den Glaskubus der neuen Filterhalle auf Transparenz und symmetrisch-anspruchsvolle Präsentation der Technik setzte. Durch eine Lichtinstallation des Osnabrücker Konzeptkünstlers Mario Haunhorst, der bereits häufiger mit Karl-Heinz Dörenkämper (Planungsgruppe Dörenkämper + Ahling) zusammenarbeitete, wurden die Qualitäten der Architektur jetzt noch einmal veredelt: In der Dämmerung und in den Abendstunden zeichnet sich an den großen Wasserfiltern ein ruhiges Spiel von Licht und Bewegung ab, während der Glaskubus in ein sphärisches Licht getaucht wird. Transparenz und Leichtigkeit Die Halle wirkt transparent und leicht; das Licht fällt von Norden durch die großen Glaselemente, die durch ihre Spiegelungen Bezüge zur Landschaft vermitteln, in den Raum. Über den gläsernen Feldern scheint das Dach fast zu schweben. Darunter herrscht Werkstattatmosphäre. Drei große Filter füllen den Raum, umgeben von Rohren, Stegen und Geländern, die dem Personal optimale Handlungsspielräume geben. Die Liebe zum Detail fällt sofort ins Auge: Klare Gliederungen, durchdachte Proportionen, präzise und hochwertige Materialien zeigen die Handschrift des Architekten. Die Installation besticht: Kabel und Rohre sind meisterlich verlegt, die Schlosserarbeiten mit Qualität ausgeführt. So wie der Blick von der Halle ins Grün der nahen Wälder reicht, wandert er ganz selbstverständlich zum Ziegelbau der 60er Jahre, der unmittelbar an die Produktion angeschlossen ist und Funktions- und Technikräume enthält. Bei allen Kontrasten ist das Signal der Architektur: Wir gehören zusammen. Ästhetik als Selbstzweck? Weit gefehlt. Karl-Heinz Dörenkämper greift Qualitäten des modernen Industriebaus auf, die durch Massenproduktion verloren gegangen schienen.
Das war nicht immer so.
Die Welt der Arbeit wurde Anfang des letzten Jahrhunderts von den
Schwergewichten der Architekturszene neu erfunden. Sie bildeten Fabrikhallen
und Büros nach modernen Vorgaben aus: Durch Transparenz und Weite hielten Licht
und Luft Einzug in die Schwerindustrie. Selbst Baumeister wie Walter Gropius
und Peter Behrends waren sich nicht zu schade, die Hüllen der Produktion mit zu
gestalten. In Industriegebieten ist Architektur heute oft auf dem Nullpunkt zu
erleben: Gewerbebauten reihen sich phantasielos aneinander. Gestaltung ist reduziert
auf übertrieben ausgreifende Vordächer vor wuchtigen Hallen und gläserne Tonnen
über Blechdächern. Dörenkämpers klare Industriearchitektur wirkt angesichts
solcher Entwicklungen wie ein Gegenmittel: befreiend und angenehm. Dadurch
schafft der Architekt Akzeptanz - und macht den achtsamen Umgang des
Energieversorgers mit dem kostbaren Lebensmittel deutlich. Wasser anders wahrnehmen Die ästhetischen Qualitäten des Wassers -Reflexion, Transparenz und Bewegung – stehen im Mittelpunkt der künstlerischen Lichtinstallation „aqua aliter – Wasser anders wahrnehmen“ von Mario Haunhorst. In enger Anlehnung an die Formenstrenge der Architektur spielt der Künstler mit den visuellen Eigenschaften des Wassers: Licht durchleuchtet Glasbecken und projiziert die Reflexionen des leicht bewegten Wassers an die großen Filtertanks der Wasseraufbereitungstechnik. Damit macht er auf das in den Tanks und Leitungssystemen verborgene Wasser aufmerksam. Das eigentlich ästhetisch komplexeste Motiv bleibt unseren Blicken verborgen. Obwohl unser Körper selbst zum größten Teil aus dem sprudelnden Nass besteht und diesem vielfältig in seinen leiblichen Vollzügen und Erfahrungen verbunden ist, nehmen wir Wasser in unsrer weitgehend technisierten Umwelt kaum noch wahr. Nicht selten sinkt es unter die Schwelle unserer Wahrnehmung und tritt erst wieder ins Bewusstsein, wenn es verschmutzt ist - oder gar ausbleibt. Das Spiel mit Licht und Bewegung, so künstlerisch-reduziert auch in die Architektur eingebunden ist, macht Lust auf Wasser und ist Ausdruck des Anliegens, die eigentlich formlose Flüssigkeit Wasser zu formen, und in Wasserspielen und Brunnen glitzern, plätschern und sprudeln zu lassen. Es sensibilisiert für den Lebensquell Wasser. Wer diesen inhaltlichen Überlegungen nicht folgen mag, dem bleibt die stimmungsvolle Ausleuchtung der Architektur, die durch die Art der Inszenierung nicht nur eine formale Akzentuierung, sondern auch etwas Geheimnisvolles und Außergewöhnliches erhält. Zurückhaltung und Wagnis Architekt und Künstler fanden in ihren Gestaltungsentscheidungen das richtige Maß an Zurückhaltung und Wagnis: einfach geformte, aber hochwertige Materialien mit unprätentiösen Lösungen, wie Zinkrohre für die Elektroinstallation, um durch formale Reduktion die Qualitäten des Materials in den Vordergrund zu rücken |